Natriumbenzoat (E211): Warum der Konservierungsstoff in Cola und Säften problematisch sein kann

📅 2026-04-05⏱ 7 min
Natriumbenzoat (E211) ist eines der ältesten synthetischen Konservierungsmittel und kommt in vielen Erfrischungsgetränken, Säften und Fertigsaucen vor. Was harmlos klingt, kann unter bestimmten Bedingungen zu einem echten Problem werden.

Was ist Natriumbenzoat (E211)?

Natriumbenzoat ist das Natriumsalz der Benzoesäure, einer organischen Säure, die in der Natur in kleinen Mengen in Preiselbeeren, Zimt und Nelken vorkommt. Als Zusatzstoff wird es industriell synthetisch hergestellt.

E211 hemmt effektiv das Wachstum von Hefen, Schimmelpilzen und bestimmten Bakterien, besonders in sauren Milieu (pH unter 4,5). Deshalb findet es sich häufig in:

  • Cola und Limonaden

  • Fruchtsaftgetränken (nicht 100% Saft)

  • Energy Drinks

  • Salatdressings und Marinaden

  • Fertigsaucen und Ketchup

  • Kaviar und eingelegte Produkte

Das Benzol-Problem: Natriumbenzoat + Vitamin C

Der kritischste Aspekt von Natriumbenzoat ist seine Reaktion mit Ascorbinsäure (Vitamin C). Wenn beide Substanzen in einem Produkt vorhanden sind – und das ist bei vielen "vitaminisierten" Limonaden der Fall – kann sich unter Licht- und Wärmeeinfluss Benzol bilden.

Benzol ist von der IARC als Gruppe 1 – krebserregend für den Menschen eingestuft. Es ist der klassische Auslöser für Leukämien und andere Blutkrebs-Erkrankungen bei beruflicher Hochexposition.

Wie viel Benzol entsteht in Getränken?
Studien der US-amerikanischen FDA aus den 1990er und 2000er Jahren fanden in mehreren Softdrinks Benzolgehalte über dem Trinkwassergrenzwert (5 µg/l in den USA). In Deutschland hat das Bundesamt für Risikoforschung entsprechende Untersuchungen durchgeführt – die Ergebnisse variierten stark je nach Produkt und Lagerbedingungen.

Wichtig: Nicht jede Kombination führt automatisch zu messbaren Benzolmengen. Die Reaktion ist temperatur- und lichtabhängig. Kühl und dunkel gelagertes Produkt bildet weniger Benzol als eines, das warm in der Sonne stand.

Hyperaktivität bei Kindern: Der Southampton-Bericht

Ein weiteres Bedenken betrifft die Kombination von Natriumbenzoat mit bestimmten Azofarbstoffen (E102, E110, E122, E124, E129). Eine britische Studie aus Southampton (2007) zeigte, dass diese Kombination bei Kindern Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefizite verstärken kann.

Die EFSA bewertete die Studie und sah zwar einen messbaren Effekt, konnte aber keine klare Kausalität zu Natriumbenzoat allein feststellen. Dennoch führte die EU eine Kennzeichnungspflicht für Produkte mit diesen Farbstoffen ein: Solche Produkte müssen mit dem Hinweis versehen sein, dass sie die Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen können.

Natriumbenzoat allein (ohne diese Farbstoffe) war nicht Gegenstand des Pflichthinweises.

Gesundheitliche Einordnung durch EFSA und BfR

Die EFSA hat Natriumbenzoat zuletzt 2016 bewertet und einen akzeptablen täglichen Aufnahmewert (ADI) von 5 mg/kg Körpergewicht bestätigt.

Für einen 70-kg-Menschen wären das 350 mg täglich. Ein 500-ml-Erfrischungsgetränk kann bis zu 250 mg Natriumbenzoat enthalten. Wer täglich eine große Flasche trinkt, nähert sich dem ADI bereits relativ eng an.

Das BfR stuft Natriumbenzoat in üblichen Mengen als sicher ein, weist aber auf das Benzol-Bildungspotenzial bei Kombination mit Vitamin C hin und empfiehlt Herstellern, diese Kombination zu vermeiden.

In welchen Produkten steckt Natriumbenzoat?

Erkennst du an der INCI-Bezeichnung E211 oder Natriumbenzoat / Sodium Benzoate.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Kombination:
E211 + Ascorbinsäure (E300) oder Vitamin C in einem Produkt → Benzol-Bildungspotenzial

Diese Kombination findet sich oft in:

  • Vitamin-C-angereicherten Limonaden ("mit Vitaminen")

  • Fruchtgetränken mit Benzoat-Konservierung

  • Energy Drinks mit Vitamin-Zusatz


Beim Kauf lohnt ein Blick auf die Zutatenliste: Stehen E211 und E300 beide drin?

Natürliche Alternativen und Produktauswahl

Viele Hersteller sind auf alternative Konservierungsmittel umgestiegen:

  • Kaliumsorbat (E202): Häufig als "natürlichere" Alternative verwendet, gilt als sicherer

  • Apfelsäure und Zitronensäure: Als pH-Senker wirken sie auch konservierend

  • HPP (Hochdruckpasteurisierung): Moderne Technologie ohne chemische Konservierung


Für Verbraucher gilt: 100 % Fruchtsäfte ohne Zusatzstoffe enthalten kein Natriumbenzoat. Wasser, Tee und ungesüßte Kräutergetränke ebenfalls nicht.

Fazit

Natriumbenzoat (E211) ist in den zugelassenen Mengen für Erwachsene nach EFSA-Bewertung sicher. Die kritische Einschränkung: Die Kombination mit Vitamin C (Ascorbinsäure) kann zur Bildung von Benzol führen – einem nachgewiesenen Karzinogen.

Handlungsempfehlung:

  • Vermeide Produkte, die sowohl E211 als auch E300/Ascorbinsäure enthalten

  • Trinke vitamin-angereicherte Limonaden nicht dauerhaft täglich

  • Für Kinder: Produkte mit E211 generell reduzieren (Hyperaktivitäts-Diskussion)

  • Fruchtsäfte und Wasser sind die unkomplizierteste Alternative


Die Debatte um E211 zeigt gut, warum Zutatenlisten lesen sinnvoll ist – nicht um in Panik zu verfallen, sondern um informiert zu wählen.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Verbraucherinformation. Er ersetzt keine medizinische oder ernährungsbezogene Beratung. Maßgeblich bleibt immer die aktuelle Kennzeichnung auf der Verpackung.

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