Aspartam (E951): IARC-Einstufung 2023 – wie gefährlich ist der Süßstoff wirklich?
Was ist Aspartam?
Aspartam (E951) ist ein synthetischer Süßstoff mit einer etwa 200-mal höheren Süßkraft als Haushaltszucker. Es wird aus den beiden Aminosäuren Asparaginsäure und Phenylalanin (als Methylester) hergestellt.
Aspartam wird seit den 1980er Jahren verwendet und findet sich in:
- Light- und Zero-Erfrischungsgetränken (Cola Zero, Fanta Zero, etc.)
- Kaugummi und Bonbons (zuckerfrei)
- Joghurt und Milchprodukte (fettarm/zuckerfrei)
- Tischsüßstoffen (Tabletten, Granulat)
- Desserts und Fertigprodukten (zuckerreduziert)
Aspartam enthält 4 kcal/g – da die eingesetzten Mengen aber winzig sind, ist die Kalorienwirkung vernachlässigbar. Es wird im Körper zu Asparaginsäure, Phenylalanin und Methanol abgebaut.
Die IARC-Einstufung 2023: Was bedeutet "möglicherweise krebserregend"?
Im Juli 2023 stufte die IARC Aspartam in Gruppe 2B ("möglicherweise krebserregend für den Menschen") ein. Das ist die zweitschwächste Kategorie von vier:
| IARC-Gruppe | Bedeutung | Beispiele |
|---|---|---|
| 1 | Krebserregend für den Menschen | Tabak, Alkohol, Asbest |
| 2A | Wahrscheinlich krebserregend | Rotes Fleisch, Acrylamid |
| 2B | Möglicherweise krebserregend | Aspartam, Aloe-vera-Extrakt, eingelegtes Gemüse |
| 3 | Nicht klassifizierbar | |
Wichtige Einordnung: Gruppe 2B bedeutet, dass es begrenzte Evidenz aus menschlichen Studien oder ausreichende Evidenz aus Tierstudien gibt. Es bedeutet nicht, dass die Substanz nachweislich Krebs verursacht – sondern dass der Hinweis existiert und mehr Forschung nötig ist.
Die IARC bewertet ausschließlich das Gefahrenpotenzial, nicht das tatsächliche Risiko bei realen Konsummengen. Das ist ein entscheidender Unterschied.
Was sagt die JECFA (WHO/FAO)?
Parallel zur IARC-Bewertung hielt die JECFA (Joint FAO/WHO Expert Committee on Food Additives) an ihrem bisherigen akzeptablen täglichen Aufnahmewert (ADI) von 40 mg/kg Körpergewicht fest.
Für einen 70-kg-Menschen bedeutet das: 2.800 mg Aspartam pro Tag.
Wie viel steckt in Cola Zero?
Ein typisches 330-ml-Glas Cola Zero enthält ca. 180–200 mg Aspartam. Um den ADI zu überschreiten, müsste ein 70-kg-Mensch täglich 14 Dosen Cola Zero trinken – plus andere aspartamhaltige Produkte.
Die JECFA kommt zu dem Schluss: Bei normaler Ernährung ist der ADI für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung nicht erreichbar.
Welche Studien stehen hinter der Neubewertung?
Die IARC stützte ihre Einordnung hauptsächlich auf Beobachtungsstudien, die einen Zusammenhang zwischen hohem Aspartamkonsum und hepatozellulärem Karzinom (Leberkrebs) feststellten – darunter eine europäische Kohortenstudie (NutriNet-Santé, Frankreich).
Einschränkungen dieser Studien:
- Beobachtungsstudien können Kausalität nicht beweisen
- Konfundierungsfaktoren (z.B. Übergewicht, das mit hohem Süßgetränkekonsum assoziiert ist) schwer zu kontrollieren
- Menschen, die viel Light-Getränke konsumieren, haben häufig andere Risikofaktoren
Die JECFA gewichtete diese Evidenz anders und sah sie als nicht ausreichend, um den ADI zu senken.
Aspartam und PKU – eine klare Kontraindikation
Unabhängig von der Krebs-Debatte gibt es eine absolute Kontraindikation für Aspartam: Menschen mit Phenylketonurie (PKU).
PKU ist eine seltene angeborene Stoffwechselerkrankung, bei der Phenylalanin nicht abgebaut werden kann. Da Aspartam im Körper zu Phenylalanin abgebaut wird, ist es für PKU-Betroffene gefährlich und kann neurologische Schäden verursachen.
Aus diesem Grund ist auf allen aspartamhaltigen Produkten in der EU der Hinweis "enthält eine Phenylalaninquelle" Pflicht.
Aspartam vs. andere Süßstoffe
Nach der IARC-Meldung fragen sich viele: Welcher Süßstoff ist die sichere Alternative?
| Süßstoff | IARC-Status | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Aspartam (E951) | Gruppe 2B (2023) | ADI 40 mg/kg, PKU-Kontraindikation |
| Sucralose (E955) | Nicht eingestuft | Offene Fragen Darmflora |
| Acesulfam-K (E950) | Nicht eingestuft | ADI 9 mg/kg |
| Stevia (E960) | Nicht eingestuft | Pflanzlich, keine Bedenken |
| Saccharin (E954) | Gruppe 3 | Jahrzehntelang diskutiert, kein Risiko belegt |
Für einen vollständigen Verzicht auf Süßstoffe gibt es keine regulatorische Grundlage. Wer aber täglich viele aspartamhaltige Produkte konsumiert, kann auf Stevia-gesüßte Alternativen oder ungesüßte Getränke umsteigen.
Fazit: Was Cola-Zero-Trinker jetzt wissen müssen
Die IARC-Einstufung ist kein Grund zur Panik – aber ein Signal, Konsum bewusst zu betrachten.
Kein relevantes Risiko bei:
- Gelegentlichem Konsum (1–2 Dosen Cola Zero täglich)
- Normaler Ernährung ohne exzessiven Süßstoffeinsatz
Überdenken lohnt sich bei:
- Mehreren Litern Light-Getränken täglich
- Zusätzlichem Konsum von Kaugummi, Joghurt, Tischsüßstoff – alles mit Aspartam
- PKU-Erkrankung: Aspartam strikt meiden
- Schwangerschaft: Vorsorgeprinzip anwenden, auf Stevia-Alternativen wechseln
Die FuxCheck-Einschätzung: Wasser, ungesüßter Tee und Kaffee sind langfristig die gesündere Wahl. Wer Light-Getränke liebt, ist mit Stevia-gesüßten Varianten oder Getränken ohne Süßstoffe besser bedient als mit aspartam-haltigen Produkten.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Verbraucherinformation. Er ersetzt keine medizinische oder ernährungsbezogene Beratung. Maßgeblich bleibt immer die aktuelle Kennzeichnung auf der Verpackung.